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Vita Werke 1905 - 1914 Werke 1919 - 1931 Werke 1932 - 1944 Werke 1946 - 1960

F.A.B. auf der Terrasse seines Hauses Lille Ø in Berlin, 1937

Fritz August Breuhaus de Groot

Sich dem Phänomen Fritz August Breuhaus auf biographischer Ebene nähern zu wollen, gleicht einer Gratwanderung. Einerseits geben die biographischen Daten und Fakten allein kaum etwas von der Faszination wieder, mit der Zeitgenossen und Bauherren von der einnehmenden Persönlichkeit des Architekten berichten. Zum anderen fällt es nicht immer leicht, die Mythen und Legenden, die Breuhaus selbst und einige zeitgenössische Publizisten um seine Person sponnen, mit den faktischen Spuren seiner Biographie übereinzubringen.
Wir möchten an dieser Stelle vor allem dem Adoptivsohn von F.A.B. sehr herzlich danken, der uns in zahlreichen Interviews äußerst bereitwillig aus seinen persönlichen Erinnerungen berichtete und so manchen Lichtstreif ins Dunkle brachte.

Geboren wurde der Architekt Friedrich August Breuhaus - genannt "Fritz August" oder kürzer "F.A.B." - am 9. Februar 1883 im Bergischen Solingen. Sein Vater, Heinrich Hugo Breuhaus (*1859 in Oberhausen (Rhld.)), hatte sich dort im Jahr 1880 als Dentist niedergelassen und später die aus Wald bei Solingen stammende Johanne Knipping (*1858) geheiratet. Als Zahntechniker brachte es der Vater zu bürgerlichem Wohlstand, so konnte er 1890 mit seiner Familie ein eigens erbautes Wohnhaus an der Solinger Brüderstraße 49 (heute Mummstraße) beziehen und seinem Sohn von 1896 bis 1900 den Besuch einer angesehenen privaten Höheren Knabenschule in Oberkassel bei Bonn ermöglichen. Noch Tillmann Breuhaus (*1801), der Großvater Heinrich Hugos, war Tagelöhner und Ackersmann im Bergischen Leichlingen, während Heinrich Hugos Vater, Johann Friedrich Breuhaus (1831-1902), als Händler in Oberhausen (Rhld.) bereits den Aufstieg in die Kreise städtischen Bürgertums geschafft hatte.

Von "Breuhaus" zu "de Groot"

Hier offenbart sich bereits die erste Legende, die Fritz August um seine eigene Herkunft geschmiedet hat. Der Architekt, der seinem Namen etwa ab 1929 selbst den Zusatz "de Groot" verlieh, lancierte ebenfalls ab jener Zeit, er sei Enkel/ Urenkel der angesehenen holländischen Malerfamilie Breuhaus de Groot. Wenn sich auch einige Lücken im Stammbaum der Familie Breuhaus bislang nicht letztendlich haben schließen lassen, so ist heute doch klar, dass Fritz August keinesfalls Urenkel oder Enkel des in Amsterdam und Brüssel ansässigen Marinemalers Frans Arnold Breuhaus de Groot (1824-1872) war. Allerdings läßt sich die Herkunft Frans Arnold Breuhaus de Groots und des Landschaftsmalers Frans Breuhaus de Groot (1798-1875) mit einiger Wahrscheinlichkeit auf den 1769 in Höhscheid bei Solingen geborenen und gegen Ende des 18. Jahrhunderts nach Holland ausgewanderten Franz Arnold Breuhaus zurückverfolgen, womit eine weitläufige Verwandtschaft des Architekten mit dieser holländischen Linie nicht auszuschließen ist. Den nobilitierenden Namenszusatz "de Groot" hat F.A.B. zeitlebens nicht offiziell eintragen lassen.

Architekt gegen des Vaters Willen

Die Nobilitierung seines Namens fällt in eine Zeit, in der die mythengestützte Selbstvermarktung des Architekten einen Höhepunkt erreichte, der "natürlich" auch in Selbstauskünften über die eigene Berufsausbildung seinen Niederschlag fand: Er habe an den Technischen Hochschulen in Darmstadt und Stuttgart studiert, nachdem er zuvor Schüler von Professor Peter Behrens in Düsseldorf und außerdem bei J. L. M. Lauweriks in Holland gewesen sei, so der Lebenslauf Breuhaus' aus jener Zeit. Tatsächlich klingt auch dieser Teil seiner Biographie deutlich respektabler, als die heute nachweisbaren Dokumente bislang tatsächlich rekonstruieren lassen. Sicher scheint, daß Breuhaus seine Schulzeit in Bonn mit dem einjährigen Reifezeugnis abschloß. Im April 1900 kehrte er ins elterliche Haus in Solingen zurück, wohl um eine Lehre beim Siegen-Solinger Gußstahl-Aktienverein anzutreten: Breuhaus selbst berichtete verschiedentlich, er habe auf Wunsch des Vaters eine Ausbildung zum Maschinenbauingenieur begonnen.
Von Oktober 1901 bis September 1902 war F.A.B. dann in (Wuppertal-) Elberfeld ansässig, in diese Zeit könnte sein Besuch der Baugewerkschule Barmen-Elberfeld fallen, ein Besuchszeugnis dieser Schule wird in den Einschreibeunterlagen der TH Stuttgart von 1903 erwähnt. Als Grundlage eines ordentlichen Besuchs einer Baugewerkschule galt seinerzeit allerdings eine Lehre im Baugewerbe, die sich bislang nicht nachweisen ließ.
Im Wintersemester 1902/03 ist Breuhaus als Hospitant der Architekturabteilung der Großherzogl. Hessischen Technischen Hochschule Darmstadt greifbar. Er belegte hier alle acht Vorkurse, die laut Studienplan für das erste Studienjahr der Architektur vorgesehen waren. In jener Zeit war auch der 1900 durch Großherzog Ernst Ludwig an die "Künstlerkolonie Mathildenhöhe" berufene Peter Behrens in Darmstadt.
Zum Sommersemester 1903 wechselte F.A.B. als Hospitant an die Technische Hochschule in Stuttgart. Dort belegte er bis zum Sommersemester 1904 entgegen dem vorgegebenen Studienplan vor allem Lehrveranstaltungen, die für das zweite Studienjahr vorgesehen waren. Bis auf die Vorlesungen zur Baukonstruktionslehre bei Prof. Conrad von Dollinger legte er mit Wahl der Veranstaltungen Entwurf (Prof. Theodor Fischer mit Assistent Paul Bonatz), dekorativer Entwurf (Prof. Gustav Halmhuber), Aquarellieren (Prof. Treidler) u.a. außerdem einen deutlichen Schwerpunkt auf gestaltende Fächer.
Breuhaus selbst berichtete über seine Studienzeit, er habe auf Wunsch seines Vaters Maschinenbau und, seiner eigenen Neigung folgend, nebenher Kunstgeschichte und Architektur studiert. Als sein Vater ihm wegen Ungehorsams nach zwei Jahren die Unterstützung entzogen habe, setzte er sein Studium nach eigener Aussage mit einer kleinen Erbschaft der Großmutter ab 1904 an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf fort. Es scheint so, als folgte er damit sozusagen Peter Behrens, der 1903 zum Direktor der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule berufen wurde. Auch Johannes Ludovicus Mathieu Lauweriks war, berufen durch Behrens, von 1904 bis 1909 als Lehrer in Düsseldorf tätig. Breuhaus Studienzeit in Düsseldorf kann allerdings kaum länger als vier Monate angedauert haben, da er sich bereits im März 1905 wieder "auf Reisen" aus Düsseldorf abmeldete. Diese Reise führte ihn allerdings nur nach Hohenasperg, vom 1.7. datiert der Entlassungsschein der dortigen Haftanstalt. Breuhaus hatte hier nach Verurteilung wegen eines Zweikampfs eine dreimonatige Festungshaft abzusitzen. Die Spuren dieses Duells, Narben und Schmisse auf Wange und Kinn, sind auch auf jüngeren Fotos noch gut zu erkennen.
Wenn man Breuhaus' Aussage, er habe nach dem Studium noch als Angestellter und zuletzt als Atelierchef in verschiedenen Architekturbüros gearbeitet, ernst nimmt und außerdem noch berechnet, dass er seinerzeit auch seinen Militärdienst noch hat ableisten müssen, dann reduziert sich die Zeit seiner Ausbildung noch weiter. Man kann den Architekten Breuhaus' wohl mit Fug und Recht als Autodidakten bezeichnen, einen "ordentlichen" Studienabschluß erwarb er jedenfalls offensichtlich nie.

Frühe Jahre im Rheinland

Seinen ersten eigenen Bau plante F.A.B. bereits im Alter von 22 Jahren. Gemeinsam mit dem 1876 in München geborenen Architekten Johann Josef Kunz, genannt "Hans", betrieb Breuhaus spätestens 1906 ein Architekturbüro in Moers am Niederrhein. Eine erste Fabrikantenvilla nach Entwürfen von Breuhaus und Kunz entstand schon ab 1905 in Solingen (Rhld.), Hans Kunz hatte im selben Jahr Breuhaus' jüngere Schwester Toni geheiratet. 1907 war Breuhaus bei seinem Schwager in Bochum wohnhaft und ein Jahr ließ F.A.B. sich in Düsseldorf nieder. Aus der Moerser Zeit sind die Entwürfe zweier weiterer Villen und einer Mehrfamilienwohnhauszeile überliefert, doch erhoffte sich der junge Architekt in der Großstadt wohl bessere Erfolgschancen. Sein Vater soll ihm eine sechsmonatige Unterstützung als Starthilfe zugesagt haben, und tatsächlich konnte F.A.B. sich in Düsseldorf bald etablieren. In den folgenden Jahren war Breuhaus mit wechselnden Büropartnern verbunden, so ab etwa 1908 mit dem später in Berlin tätigen Carl Mauve und vor 1914 mit dem später in Hamburg sehr erfolgreichen Regierungsbaumeister a.D. Carl Gustav Bensel (1878-1949).

Erste Erfolge - die Gartenstadt Meererbusch

F.A.B. am Steuer seines Packard 24/120

Seinen zeitlebens andauernden Ruf als einer der prominentesten deutschen Villen- und Landhausarchitekten begründete Breuhaus mit seinen Planungen für die "Gartenstadt Meererbusch" in Büderich bei Düsseldorf. Bereits 1907 war ein erster Lageplan für diese, auf dem Grundbesitz des Freiherrn Friedrich von der Leyen nahe dem Bahnhof "Forsthaus Meer" der 1900 eingerichteten Schnellbahnlinie Düsseldorf - Krefeld errichtete Landhauskolonie entstanden. Seit spätestens 1909 war Breuhaus an der Planung der Gartenstadt wesentlich beteiligt, in den Jahren 1910/11 erbaute er hier sein erstes eigenes Familienwohnhaus, den "Eichenhof". Bis 1914 folgten mindestens ein Dutzend weiterer Landhäuser in direkter Nachbarschaft. In der um 1911 erschienenen Werbeschrift „Gartenstadt Meererbusch. Siebenhundert Morgen Waldpark. Sport- und Spielplätze. Auskunft über Landhäuser und Grundstücke sowie Verkauf von Terrain und schlüsselfertigen Bauten erteilt Architekt F. A. Breuhaus.“ trat F.A.B. gar als Generalunternehmer auf. Das Kapital für dieses ehrgeizige Unterfangen hatte Breuhaus' Ehefrau Martha (1884-1962), Tochter eines Fabrikanten und Kommerzienrates aus (Krefeld-) Uerdingen, eingebracht: Das Jahr der Heirat fällt nicht von ungefähr mit dem Einsteig Breuhaus' in die Gartenstadtplanung zusammen. Ebenfalls im Jahr 1911 erscheint die erste Werkmonographie des Architekten, ein aufwendig bebilderter und auf Büttenpapier gedruckter Prachtband, in dem F.A.B. der Öffentlichkeit voller Stolz seine aktuellen Villenplanungen in Meerbusch, Solingen und anderswo präsentiert. Den Erfolg dieser Unternehmung mag man auch daran messen, daß Breuhaus mit seinem "Eichenhof" auch gleich einen Automobilschuppen errichtete - auf die Vorzüge der angepriesenen Schnellbahn nach Düsseldorf war er selbst wohl nie angewiesen.

Private Katastrophen...

Mit Martha hatte F.A.B. vier Söhne: Der älteste, Claus (*1910), erhielt später eine Ingenieursausbildung. Der zweite Sohn, Peter (*1911), sollte als Architekt in die Fußstapfen des Vaters treten. 1919 kam Breuhaus dritter Sohn Jobst zur Welt. Die Geburt des jüngsten Sohnes Michael im Jahr 1920 fällt in die Zeit nach der Scheidung der ersten Ehe Breuhaus'. Der genaue Scheidungsgrund liegt noch im Dunklen, es ist jedoch anzunehmen, dass die Geburt des unehelichen Sohnes Peer den Ausschlag gegeben haben dürfte.
Zwischen 1914 und 1918 hatte Breuhaus am ersten Weltkrieg teilgenommen, aus dem er im Range eines Feldwebels heimkehrte. Zunächst in Frankreich stationiert, wurde er später an die Ostfront verlegt, seine Kriegserfahrungen verarbeitete der Architekt als Dichter in dem Buch "Der Soldat und der Tod. Gespräch in Versen.", das 1917 von einem Tilsiter Verlag herausgegeben wurde.

Während Breuhaus' Privatleben nach seiner Rückkehr aus Russland katastrophal verlief - der dritte Sohn Jobst verstarb 1919 noch im Säuglingsalter an einer Lungenentzündung, im gleichen Jahr soll auch die Mutter seines unehelichen Sohnes Peer einer Grippe erlegen sein und 1920 erfolgte die Scheidung von seiner hochschwangeren Ehefrau Martha - konnte Breuhaus beruflich trotz brachliegender Baukonjunktur durchaus wieder Erfolge verzeichnen. So nahm er im Winter 1919 mit seinen Architekturentwürfen an einer Ausstellung in der bedeutenden Düsseldorfer Galerie Flechtheim teil, außerdem realisierte er neben Fabrikbauten für das Unternehmen seines Schwiegervaters in Uerdingen auch einige kleinere Umbauten an Landhäusern in der Gartenstadt Meererbusch.

Neuanfang in Köln

Nach der Scheidung verlegte F.A.B. Wohnsitz und Büro 1920 nach Köln, den "Eichenhof" in Meerbusch verkaufte er 1922. In Köln ging Breuhaus eine Partnerschaft mit dem Regierungsbaumeister Dr.-Ing. Jacob Dondorff (*1881) ein, die Sozietät plante - typisch für jene Zeit - vor allem genossenschaftliche Siedlungsbauten in Köln. Im Oktober 1921 ließ Breuhaus sich in Bonn nieder, eine für den eigenen Bedarf ausgebaute ältere Villa an der Coblenzer Straße blieb bis 1926 sein Domizil. 1922 heiratete F.A.B. ein weiteres Mal: Seine zweite Ehefrau Elisabeth geb. Meyer (*1900) war in Barcelona geboren und aufgewachsen. Es verwundert daher kaum, dass F.A.B. seit jener Zeit auch in Spanien Villen plant und 1922 in einer Publikation gar behauptete, ein Zweigbüro in Barcelona zu unterhalten. Die 1923 in Bonn geborene Tochter ist heute das einzige lebende leibliche Kind des Architekten.
Offensichtlich, um die schwache Auftragslage nach dem Krieg anzukurbeln, veröffentlichte Breuhaus um 1921 und 1922 zwei Eigenpublikationen. Die beiden Hefte zeigen neben einer Vielzahl bereits in der Vorkriegszeit geplanter Landhäuser und Gutshöfe auch einige aktuelle Projekte und jüngst realisierte Bauten. Man kann hier beinahe von einer publizistischen Offensive des Architekten sprechen, war er doch auch mehr denn je auch in zeitgenössischen Architekturzeitschriften vertreten. Vor allem die Zeitschriften "Innendekoration" und "Deutsche Kunst und Dekoration" druckten regelmäßig Artikel von und über Breuhaus ab. Der Verleger der "Innendekoration", der Darmstädter Hofrat Dr. Alexander Koch, publizierte auch in seiner vielbändigen Reihe "Handbücher neuzeitlicher Wohnungskultur" zahlreiche Innenraum- und Möbelentwürfe Breuhaus'. Der nicht erst seit der Hochphase des Jugendstils in Darmstadt prominente Verleger war in jener Zeit der einflußreichste Förderer des Architekten Breuhaus, beide verband außerdem eine langjährige Freundschaft. Die Villa des Verlegers, nach langjähriger Planung und intensiver Auseinandersetzung mit den Wünschen des kunstsinnigen Bauherren 1926 fertiggestellt, ist Höhepunkt dieses über Berufliches weit hinausgehenden Kontaktes. Kaum verwunderlich, dass Verleger und Architekt diesen bemerkenswerten Bau in einer ausführlichen Monographie - erschienen natürlich im Verlag Koch - einer breiten Öffentlichkeit bekannt machten.
Bereits um 1922 war Breuhaus eine Partnerschaft mit dem Regierungsbaurat a.D. Heinrich Rosskotten (1886-1972) eingegangen. Die zahlreichen Aufträge auch für Zechen-, Industrie- und Siedlungsbauten, die die bis 1927 bestehende Sozietät aus den Kreisen der Rheinisch-Westfälischen Montanindustrie erhielt, dürfen wohl nicht zuletzt den guten Kontakten Rosskottens zugeschrieben werden. Beide Architekten waren außerdem später Mitglied im Industrieclub Düsseldorf, bei dessen Treffen sich die Wirtschaftsführer der Region die Klinke in die Hand gaben.

Kunstgewerbe als "zweites Standbein"

1923 gründete Breuhaus außerdem in Bonn die "Mikado-Werkstätten", die Textilien im Handdruckverfahren nach eigenen Entwürfen bedruckten. Breuhaus versuchte so, in Zeiten, in denen die Bautätigkeit im reparations- und inflationsbelasteten Deutschland noch immer nur langsam in Fahrt kam, neben der Architektur ein zweites Standbein als Designer zu etablieren. Wenn auch die Textildruckerei mangels Erfolgs nach kurzer Zeit wieder aufgegeben wurde, so entwarf F.A.B. doch nebenbei weiterhin Möbel, Tapeten, Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände (z.B. Küchenherde u.v.a.).

Der Höhepunkt seiner Tätigkeit als Designer fällt nicht von ungefähr in die Zeit der aufkommenden Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre. Als Innenarchitekt hatte Breuhaus seit jeher einen guten Namen, spätestens mit der Ausstattung der ersten Klasse des Luxusdampfers "Bremen" galt Breuhaus als Star auf diesem Gebiet. Möbel-, Textil-, Tapeten-, Lampen- und Besteckentwürfe in großer Zahl entstanden wiederum nun nicht mehr allein zur Ausstattung der von ihm geplanten Villen: Wie bereits am Anfang der Dekade verdingte F.A.B. sich mit dem Ausbleiben großer Bauaufträge zunehmend wieder als Entwerfer, so für die Vereinigten Werkstätten, den WK-Verband, die Württembergische Metallwarenfabrik WMF, die Solinger Besteckfabrik J. A. Henckels u.v.a.

Breuhaus und die "kultivierte Sachlichkeit"

Das Erscheinen einer zweisprachigen Werkmonographie in der Reihe "Neue Werkkunst" 1929 markiert einen Höhepunkt in Breuhaus' Karriere als Architekt und in seiner Kunst der Selbstvermarktung. Kaum ein zweiter Band dieser Reihe vereinigt in sich eine so große und vielfältige Auswahl an Bauten und Projekten: Neben Entwürfen und Bauten im In- und Ausland werden zahlreiche Inneneinrichtungen, Ausstellungsgestaltungen sowie die Ausstattungen von Passagierschiffen, Eisenbahnwaggons und der Entwurf des Zeppelin-Luftschiffs LZ 128 vorgestellt.
Stilistisch hatte F.A.B. in jenen Jahren zu einer eigenen Form gefunden: Seine Entwürfe verbinden sachlich-moderne Elemente des "Neuen Bauens" mit edlen Materialien, luxuriösen Grundrissen und einer wohlabgestimmten Farbigkeit zu höchster Eleganz. Breuhaus selbst prägte für diese Architekturauffassung zeitgenössisch den Begriff der "kultivierten Sachlichkeit".
Mit der Teilnahme an der von Bruno Paul geleiteten Deutschen Sektion der Ausstellung "Mostra Internationale delle Arti Decorative di Monza" 1926 hatte F.A.B. auch international größere Beachtung gefunden.

Wie man Professor wird...

Bereits im Dezember 1928 war Breuhaus von der Bayerischen Staatsregierung der Titel eines Professors der bildenden Künste verliehen worden. Ein Blick in die Akten macht deutlich, dass Breuhaus selbst sich sehr vehement um diesen Titel bemüht hat. So stellt er seine Übersiedlung von Düsseldorf an den Starnberger See in Aussicht, meldet sich 1928 sogar offiziell im Hause seiner Eltern in Starnberg an und sichert dem Bayerischen Wirtschaftsministerium zu, für die Vergabe eines Großteils der Aufträge für die Ausstattung des Schnelldampfers Bremen an Bayerische Firmen und Künstler zu sorgen. Bei einem Gesamtauftragsvolumen von bis zu 3,5 Millionen Reichsmark fand Breuhaus unter anderem im Direktor der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Nymphenburg einflußreiche Fürsprecher. Wie sehr der Architekt die geschäftsfördernde Wirkung des Professorentitels zu schätzen wußte, zeigt sich in seinen - wenngleich erfolglosen - Bemühungen, die Verleihung des Titels noch zu beschleunigen. Die Pläne, in Feldafing ein eigenes Haus sowie eine Villenkolonie zu errichten, verliefen jedoch im Sande. Noch Ende 1929 vertröstete F.A.B. das Staatsministerium für Unterricht und Kultus, die Sache sei krankheitsbedingt ins Stocken geraten. Tatsächlich gab Breuhaus seinen Bürositz in Düsseldorf bis zu seiner Übersiedlung nach Berlin im Jahre 1932 nicht mehr auf, die ehrgeizigen Villenpläne am Starnberger See blieben unausgeführt.

Botilla, seine dritte Ehefrau, im Jahre 1933

Der Architekt als Mediengestalt

Mit Rückgriff auf den Namenszusatz entfernter Verwandter selbst zu "Fritz August Breuhaus de Groot" quasi geadelt, geriet der überaus charmante und gesellschaftlich sehr gewandte, frisch gebackene Professor bald auch zum Liebling von Mode- und Publikumszeitschriften. Ein Foto aus jener Zeit zeigt F.A.B., sehr chic im weißen Anzug mit Hut, am Steuer seines eleganten weißen Packard-Coupés vor dem im Bau befindlichen Dampfer "Bremen". Breuhaus selbst führt das Steuer, sein Chauffeur hat auf dem Beifahrersitz Platz genommen. In jenen Jahren brachte Breuhaus seine überaus wirkungsvolle Selbstinszenierung zur Vollendung, die ihm zeitlebens einen Ruf als begnadeter Villenarchitekt, Bonvivant, Gesellschaftslöwe und Medienstar - jedenfalls für damalige Verhältnisse - sicherte.
Architekten waren damals wie heute selten ein dankbares Thema glamourorientierter Modezeitschriften - anders der "legendäre" F.A.B., der bereits 1925 von seinem ehemaligen Mitarbeiter Hans Heinz Lüttgen (1898-1977), wohl nicht ohne Hintersinn, als ein Erotomane der Architektur charakterisiert wurde. Breuhaus war aber auch zu jeder Zeit eine eindrucksvolle Erscheinung, ein gutaussehender Mann, der in Gesellschaft charmant, smart und einfühlsam zu brillieren vermochte. Und diese Erscheinung verfehlte wohl selten ihre Wirkung - vor allem auf die Damenwelt, wie sich auch der Adoptivsohn Breuhaus' noch heute erinnert.

Die Berliner Jahre

F.A.B. und Botilla, 1935

Den Höhepunkt seiner Medienpräsenz nutzte F.A.B. überaus geschickt zum Sprung aus der Rheinischen Provinz in die Reichshauptstadt Berlin, das unbestrittene Zentrum des deutschen Kultur- und Gesellschaftslebens. Vorangegangen war wiederum ein privater Bruch, die Ehe mit seiner zweiten Frau Elisabeth war 1931 geschieden worden. Auch hier darf gemutmaßt werden, dass F.A.B.s Faszination für das schöne Geschlecht und seine nicht zu unterschätzende Wirkung auf die Vertreterinnen desselben nicht ganz unschuldig an der Trennung waren.
Bereits 1932 heiratete F.A.B. ein drittes Mal, seine 1895 in Rodekrug in Nordschleswig (heute: Rødekro in Süddänemark) geborene Ehefrau Botilla (geb. Nielsen verw. Beyer) brachte einen siebenjährigen Sohn mit in die Ehe, den Breuhaus noch im gleichen Jahr adoptierte. Die Familie wohnte zunächst in einer direkt am Landwehrkanal gelegenen, großzügigen Etagenwohnung an der Königin-Augusta-Straße (heute Reichpietschufer), die F.A.B. nach eigenen Entwürfen hatte einrichten lassen. Wie das Haus des Fabrikanten W. in Stuttgart vermittelt diese Wohnung eine sehr exakte Vorstellung des Breuhausschen Zeitstils, der "kultivierten Sachlichkeit".
Es gelang Breuhaus recht bald, in Berlin gesellschaftlich Fuß zu fassen. In seinem Gästebuch von 1931/32 finden sich illustre Namen, neben den Künstlerkollegen Emil Orlik und Walter Trier sind unter vielen anderen die Namen Richthofen, von Arenberg, Roechling, von Bentheim und Steinfurt, Huldschinsky, Gerstel und viele andere zu lesen.

Die "Contempora"

Bis sich die Baukonjunktur nach der Weltwirtschaftskrise soweit erholt hatte, dass Industrie und Privatleute wieder bauen konnten, hielt sich Breuhaus wieder einmal mit kunstgewerblichen Entwürfen über Wasser, außerdem gründete er 1932 die private Kunstgewerbeschule "Contempora - Lehrateliers für neue Werkkunst". Der Name ist offensichtlich an Lucian Bernhards (1883-1972) New Yorker Atelier für Werbegraphik und Innenarchitektur angelehnt. Ihre Räume bezog die Schule in dem Haus in der Emser Straße, in dem auch Breuhaus' Architekturbüro residierte. Während F.A.B. als Leiter der Schule auch Raumkunst und Textilentwurf lehrte, stellte er u.a. den Maler und Graphiker Otto Arpke (1886-1943) als Lehrer für Mode- und Gebrauchsgraphik ein, Erich Balg unterrichtete im Bereich Fotographie, Werbung und Reportage, der seit 1930 im Atelier Breuhaus' tätige junge Architekt Cäsar F. Pinnau (1906-1988) Innenarchitektur. Eine der berühmtesten Schülerinnen der Privatschule war Elisabeth Noelle (*1916), die spätere Leiterin des Instituts für Demoskopie in Allensbach.
Breuhaus' Adoptivsohn weiß noch heute zu berichten, dass böse Zungen einst das Gerücht streuten, F.A.B. habe die Schule nur gegründet, um leichteren Zugang zu jungen Damen zu haben. Tatsächlich stellte die Kunstschule mindestens eine willkommene Einnahmequelle dar, bis um 1934 die Zahl der Bauaufträge wieder merklich zunahm.

Die "kleine Insel"

Boccia mit seinem Adoptivsohn am Haus Lille Ø

Das Haus "Lille Ø" (Dänisch für: kleine Insel), das F.A.B. für sich und seine Familie 1934 auf einem aus dem Grundbesitz der Familie Wertheim ausparzellierten Grundstück in Schmargendorf errichtete, gehört zu den herausragendsten Bauten im Werk Breuhaus' und formuliert geradezu programmatisch die Breuhausschen Thesen von ebenso sachlichem wie kultiviertem Wohnen, die auch nach dem Zweiten Weltkrieg das Werk des Architekten weiterhin prägen sollten. Zu F.A.B.s Prominenz wird dieser seinerzeit vielbeachtete Bau, der dreiseitig einen intimen Gartenhof umschließt, nicht unerheblich beigetragen haben, bis Ende der 1930er Jahre errichtete Breuhaus in den westlichen Berliner Villenvororten mindestens 50 kleinere und größere Einfamilienhäuser, Landhäuser und Villen. Zu seinen Kunden jener Zeit zählten Freiberufler ebenso wie Direktoren und Industrielle, Adelige und Prominente aus dem Kulturleben. Einen wichtigen Aspekt im Werk Breuhaus bringt sein Adoptivsohn auf den Punkt: Breuhaus habe niemals einen Entwurfsauftrag angenommen, wenn der Bauherr seine antiken Möbel in das neue Haus übernehmen wollte. F.A.B. sei für seine hohen Standards bekannt gewesen, er habe ein Haus immer mitsamt einer ganz auf den Bauherren zugeschnittenen Einrichtung, sozusagen als "Gesamtkunstwerk", entworfen - oder eben gar nicht.

Nicht allein Häuser...

Neben großen und kleineren Einfamilienhäusern prägen vor allem zwei bemerkenswerte Werkgruppen das Schaffen Breuhaus' in der ersten Hälfte der Dreißiger Jahre: Dass F.A.B. noch vor 1933 mit dem Entwurf der Ausstattungen für mehr als ein Dutzend Schiffe - darunter vor allem Kriegs- und Schulschiffe der wiederaufrüstenden deutschen Marine - erhielt, muss wohl als eine Folge seiner hochgelobten zivilen Schiffsausstattungen gesehen werden. Vergleichbar in seiner Rolle als "Schiffsarchitekt" ist Breuhaus mit einem Zeitgenossen, dem bei Theodor Fischer in München ausgebildeten italienischen Architekten Gustavo Pulitzer-Finali (1887-1967), der in den 1920er und 1930er Jahren in Triest die Ausstattungen von über zwanzig Passagier- und Schlachtschiffen entwarf.
Eine deutlich kleinere, aber nicht weniger bemerkenswerte Werkgruppe bilden Breuhaus Ausstattungsentwürfe für Flugzeuge, so ein Postflugzeug der Deutschen Lufthansa und das Dienstflugzeug des Reichsluftfahrtministers Hermann Göring. Vielversprechend erscheint hier ein Vergleich mit F.A.B.s Berliner Architektenkollegen Otto Firle (1889-1966), der bereits 1918 das Kranich-Signet der späteren Lufthansa und in den 1930er Jahren außerdem auch Flugzeugausstattungen entworfen hat sowie mit den amerikanischen Architekten Henry Dreyfuss (1904-1972), Norman Bel Geddes (1893-1958) und dem Designer Raymond Loewy (1893-1986), die zeitgleich für US-Airlines entwarfen.

Der Ruf in die Türkei

Der Dandy in den Alpen, 1934

In den frühen Dreißiger Jahren erhielt Breuhaus außerdem große Planungsaufträge in der Türkei. Bereits 1925 hatte die Türkischen Nationalversammlung den Beschluss zum Bau staatlicher Zuckerfabriken gefaßt, am 5.12.1933 wurde die Türkiye Seker Fabrikalari A.S. im anatolischen Eskisehir eröffnet, am 19.10.1934 folgte eine weitere Anlage in Turhal. F.A.B. plante neben den Fabrikanlagen auch die Verwaltungsgebäude an beiden Standorten sowie jeweils zugehörige Arbeitersiedlungen mit Direktorenvillen, Casinos, Krankenhäusern und weiterer Infrastruktur. 1934 errang er außerdem am Wettbewerb um ein Bankhaus der 1933 gegründeten Sümerbank in Ankara einen ersten Preis, der Auftrag ging jedoch an den Münchener Architekten Martin Elsaesser. Voller Stolz publizierte Breuhaus mehrfach, er habe in Edirne einen Palast für Mustafa Kemal Atatürk, den Begründer und ersten Präsidenten der Republik Türkei, erbaut. Die Ausführung dieses ehrgeizigen Planes, der außerdem auch eine städtebauliche Neuordnung der historischen Stadt Adrianopel umfasste, konnte jedoch bislang nicht nachgewiesen werden. 1936 war auch F.A.B. für die Nachfolge Hans Poelzigs (1869-1936), der noch vor Übernahme des Lehrstuhls für Architektur an der Kunstakademie Istanbul verstorben war, im Gespräch. Berlins ehemaliger Stadtbaurat Martin Wagner (1885-1957), der auch Poelzig vorgeschlagen hatte, konnte jedoch, selbst seit 1935 als Lehrer in Istanbul tätig, die Berufung des 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nach Japan emigirierten Bruno Taut (1880-1938) durchsetzen.
Zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs erwog F.A.B. ein zweites Mal, an die Akademie in Istanbul zu gehen. So fragte er bei Paul Bonatz (1877-1956), selbst 1946 bis 1953 Professor in Istanbul, an, ob man mit dem dort zu erwartenden Einkommen "einen gewissen, nicht zu kleinen Lebensstandard (...) mit Auto" aufrecht erhalten könne. Bonatz erwiderte brüskiert, nur der habe verdient, in dieses Paradies zu kommen, der es um der Aufgabe wegen täte.

F.A.B. und der Nationalsozialismus

Zarah Leander in "ihrem" Haus Lille Ø in Berlin, nach 1941


Doch zurück in die Dreißiger Jahre: Nach der Erinnerung seines Adoptivsohnes geriet Breuhaus ab 1935 zunehmend in Opposition zum herrschenden Nazi-Regime. F.A.B.s Ehefrau Botilla soll in jenen Jahren außerdem jüdischen Familien zur Flucht aus Deutschland verholfen haben, was ein hochrangiger Vertreter des Staates Israel dem Adoptivsohn noch 1953 bestätigt habe.
Unter F.A.B.s heute bekannten Projekten nach 1935 finden sich dennoch einige, die direkt oder indirekt von Staats- oder Parteistellen in Auftrag gegeben worden waren, so der bis Kriegsbeginn bearbeitete Ausführungsentwurf einer Deutschen Botschaft in Washington D.C. nach Wettbewerbserfolg von 1937, der Wettbewerbsentwurf eines Gauforums in Frankfurt (Oder) 1937-38, der Entwurf einer Kaiserlich Japanischen Botschaft in Berlin um 1938, die Beteiligung am Wettbewerb von 1938 um eine "UFA-Filmstadt" in Babelsberg bei Potsdam, die Planung eines Botschafterpalais' in Sofia vor 1940 sowie 1939-40 der Wettbewerbsentwurf der Fassade eines Verwaltungsgebäudes für das Reichsversicherungsamt an der Berliner Nord-Süd-Achse im Rahmen der Speerschen "Germania"-Planungen.
Im Jahr 1941 sprach Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, so der Adoptivsohn, ein spezifisches Berufsverbot gegen F.A.B. aus und beschlagnahmte persönlich dessen Haus "Lille Ø" zur Unterbringung der Sängerin und Schauspielerin Zarah Leander, des höchstbezahlten Filmstars im Dritten Reich. Eine zeitgenössische Aufnahme zeigt die Leander "ganz privat" im Innenhof des Hauses Breuhaus', der Architekt siedelte mit seiner Familie nachweislich zum 1. April 1941 in den Flecken Garitz bei Bad Kissingen über.
Von den örtlichen Parteibonzen argwöhnisch überwacht, war der vitale Architekt zu beruflicher Untätigkeit verdammt und versuchte sich in Ölmalerei, die, wie er selbst in einem Interview in den frühen 1950er Jahren zugab, wenig bemerkenswert blieb. Die einzigen "Bauprojekte" jener Zeit blieben ein Schuppen für Schweine, Hühner und Kaninchen im Garten des Garitzer Landsitzes - die Tiere sicherten der Familie das Überleben über das Kriegsende hinaus.
Besonders hart traf die Familie in jenen Jahren auch der Tod der drei ältesten Söhne F.A.B.s, Claus, Peter und Michael: Sie alle fielen im Laufe von nur drei Jahren an der Ostfront.
Auch Breuhaus private Kunstschule "Contempora" war 1941 unter fadenscheinigen Gründen geschlossen und in die staatliche Hochschule für bildende Künste Berlin eingegliedert worden, Breuhaus ehemaliger Büroleiter und Assistent an der Schule, Cäsar F. Pinnau, wurde ein Jahr später durch die Verleihung eines Professorentitels geehrt. Pinnau hatte ab 1937 an Entwurf und Inneneinrichtung zahlreicher hochrangiger Staatsbauprojekte, so Hitlers "Neuer Reichskanzlei" in Berlin, federführend mitgewirkt.

Rückkehr ins Rheinland

F.A.B. in seinem Kölner Büro, nach 1950

Breuhaus blieb auch nach Kriegsende zunächst in Bad Kissingen ansässig. Ab 1947/48 konnte der Architekt mit Villen- und Landhausplanungen im Rheinland und in Westfalen wieder an seine 1941 unterbrochene Karriere anknüpfen. 1950 eröffnete er ein Büro in der Kölner Altstadt, er selbst zog mit seiner Frau Botilla erst 1952 wieder ins Rheinland.
Bereits 1950 hatte F.A.B. erste Pläne für ein eigenes Wohnhaus in Bad Honnef-Rhöndorf zur Genehmigung eingereicht, erst nach zahlreichen Änderungen und Dispensen bezog das Ehepaar Breuhaus im Jahr 1952 an Botillas Geburtstag das neue Heim. Die Wohnhalle öffnet sich über ein - natürlich elektrisch betriebenes - Panoramafenster zum Hanggarten oberhalb des Rheintals. Der Name "Lille Brøndegaard" (Dänisch für: kleiner Brunnengarten) weist auf einen innerhalb des Hauses gelegenen kleinen Gartenhof hin. Auf der seitlich angeordneten Bocciabahn entspannte sich F.A.B. - wie bereits in seinen Berliner Jahren - am frühen Abend gerne mit Gästen oder Freunden.
Das Haus liegt nur wenige hundert Meter Luftlinie vom Wohnsitz Konrad Adenauers entfernt. Mündlich ist überliefert, dass Breuhaus durchaus Kontakt zum ersten Kanzler der jungen Bundesrepublik suchte, andere Geschichten berichten jedoch auch, dass der knorrige und bodenständige Kanzler seinem ungewöhnlichen Nachbarn gegenüber stets mehr als reserviert blieb.

Der "kleine Brunnengarten"

"Lille Brøndegaard" zeigt beispielhaft, wie Breuhaus seine Idee des "kultiviert sachlichen" Wohnens, den veränderten Bedingungen und Ansprüchen der Nachkriegszeit angemessen, neu interpretierte. Im Zentrum des Hauses stand noch immer der sehr großzügig bemessene Wohnraum, der durch bodentiefe Fenster beinahe nahtlos in eine weitläufige Terrasse übergeht. Allerdings diente dieser mit Kaminecke, Arbeitsplatz, Bücherwand und Barfach ausgestattete Raum nun gleichermaßen privaten wie repräsentativen Zwecken: Hier konnte man ebenso gut Empfänge mit mehreren Dutzend Gästen veranstalten, wie die tägliche Arbeit und das Familienleben hier ihren Platz fanden. Dem Wohnbereich seitlich zugeordnet, der für Breuhaus so typische kreisrunde Speiseraum, der Platz für Diners mit bis zu 12 Personen bot. Die übrigen Räume, zwei Schlafzimmer mit Ankleide und Bad, der Flur, Küche und Anrichte (sowie ein Chauffeursraum neben der Garage und eine Mädchenkammer im Keller) waren zwar von eher bescheidener Größe, wirken aber noch heute dank ihrer durchdachten Ausstattung, Möblierung und Beleuchtung durchaus großzügig und freundlich.
Das zur Straße hin völlig uneinsehbare eingeschossige Haus zeigt sich zum Garten hin außergewöhnlich modern: Das Flachdach oberhalb der Wohnhalle dient als Dachterrasse. Diese kragt, getragen durch eine schlichte Pilzstütze, in weitem Halbrund über die Hauptterrasse aus und bildet so einen überdachten Freisitz mit einem zweiten Kamin. Sehr zeittypisch ist auch der dynamische Schwung der Wendeltreppe, die, angelehnt an den Außenkamin, zur Dachterrasse hinaufführt.

F.A.B. - Ein moderner Eklektizist

Kurz nach Bezug seines Rhöndorfer Hauses gab F.A.B. einer Sonntagsillustrierten ein bemerkenswertes Interview, in dem der Architekt sich als ein später Anhänger einer - wenn auch gemäßigten - Moderne präsentiert: So wird berichtet, seine Karriere habe erst 1928 begonnen, als er das erste Mal so bauen konnte, wie er es sich in langen Jahren vorgestellt habe. Weiterhin wird er mit den Worten zitiert:

"Aber wenn ich heute so bauen würde, wie in zehn Jahren gebaut werden wird oder wie ich gern bauen möchte - dann bekäme ich nicht einen einzigen Auftrag. Heute würde man die Bauten der Zukunft primitiv nennen. Aber Einfachheit und Zweckmäßigkeit haben nichts mit Primitivität zu tun! Die Wohnhäuser der Zukunft müssen ein Paradies für die Hausfrau werden. Denn die Hausfrau ist ein schlecht bezahlter Schwerarbeiter. Frauen wissen auch, was schön, praktisch und bequem ist. (...) Ein Architekt muß ein Psychologe sein: er muß auf den Bauherrn eingehen. Außerdem soll das Haus in die Landschaft passen. Ich habe keinen eigenen Stil entwickelt, denn Landschaft und die Wünsche des Bauherren regen mich zu vielen immer neuen Gedanken an".

Selbstauskünfte eines "Architekten für morgen"

Hieronymus Tatzelwurm, der Bobtail

Der Behauptung im gleichen Artikel, F.A.B. habe seit 1928 über 400 Häuser aller Arten erbaut, wird noch nachzugehen sein; die Zahl aller heute bekannten Bauten und Entwürfe seit 1905 übersteigt allerdings bereits die Zahl 450. Nicht ganz wahrheitsgemäß erscheint allerdings F.A.B.s Aussage, er habe für sich selbst bereits vierzehn Häuser erbaut. So lassen sich zwar durchaus ein gutes Dutzend Wohnadressen Breuhaus' bis 1952 ausmachen, doch handelt es sich bei dem größten Teil keinesfalls um Neubauten, in den meisten Fällen lediglich um kleinere Umbauten und Inneneinrichtungen älterer Häuser.
Die Sonntagsillustrierte gewährt ihren Leserinnen auch einen "intimen" Einblick in die Lebens- und Arbeitsgewohnheiten des "Architekten für morgen": So zeigen die Fotos F.A.B. im Morgenmantel beim Frühstück und mit Ehefrau Botilla am Arbeitstisch über Pläne gebeugt, im Vordergrund die Perserkatze Maja und der Pudel Penny:

"Die Idee für ein Haus läßt mich nicht schlafen. Morgens um vier Uhr stehe ich auf und fange an zu zeichnen und zu entwerfen. Ein Joghurt ist mein erstes Frühstück. Und Zigaretten gehören zur Arbeit. Außerdem brauche ich Ruhe und eine gepflegte Umgebung. Deshalb entwerfe ich selten im Büro; meist arbeite ich zu Hause. (...)"
"Oft beginnt es so: Der Bauherr zeichnet das gewünschte Haus auf eine Serviette! Nun muß der Architekt umformen und ins Baugelände. (...)"
"Ich zeichne übrigens ohne Reißbrett, nur auf Millimeterpapier, aus freier Hand. Das Reißbrett zwingt zu rechtwinkligen Formen. Ich bin ein Gegner jeder Symmetrie. Keine starren Formen: das ist mein Prinzip. Ich lebe gern gut und bequem, das muß man wohl als Architekt, wenn man für andere schöne Wohnhäuser bauen soll. Mein Beruf füllt meine ganze Zeit aus. (...)"
"Meine Frau prüft sehr kritisch meine Entwürfe. Sie hilft, die Wünsche der Bauherren zu ergründen und gibt Ratschläge. Ich baue nicht nur Häuser. Auch Treppengeländer, Türen und Lampen habe ich entworfen und Möbelstücke, Vasen, Geschirr, Zigarettenbehälter, Bestecke - alles, was dazu gehört. Es gibt keine Nebensächlichkeiten in einem gepflegten Haus. Ich habe auch schon Romane geschrieben und Bilder gemalt. Die Romane waren miserabel! Von den Bildern behauptet es meine Frau auch."

Botilla Breuhaus - Sonne und Schatten

F.A.B. und Botilla, 1955

An eine enge - auch die Arbeit einschließende - Verbindung von F.A.B. und dessen "Tilla" genannter Ehefrau erinnert sich auch der Adoptivsohn. Sie sei nicht nur als Gastgeberin zahlloser Dinnerpartys geradezu legendär gewesen und habe darüber hinaus ihrem Gatten nicht nur beratend assistiert, sondern auch selbst Entwürfe für Einrichtungsgegenstände gezeichnet. Nach Breuhaus' Tod habe sie das Büro - unter anderem mit F.A.B.s letztem Teilhaber Artur Gérard - weitergeführt und außerdem bis zu ihrem Tod im Jahre 1988 in Zusammenarbeit mit einem bekannten Kölner Einrichtungshaus noch zahlreiche Inneneinrichtungen im In- und Ausland realisiert.
Trotz der zeitlebens anhaltenden Faszination Breuhaus' für das "schöne Geschlecht" blieb das Paar bis zum Tod des Architekten zusammen - der Adoptivsohn zitiert seine Mutter zu diesem wohl nicht konfliktfreien Thema mit den Worten: "Wo viel Sonne - da viel Schatten".

Die letzten Jahre im Hahnwald

Nach einer kurzen Zwischenstation in einer Mietwohnung in Köln-Lindenthal bezog das Paar um 1956 mit dem Haus "Tre Brønde" (Dänisch für: Drei Brunnen) das letzte eigene Wohnhaus im Kölner Prominentenvorort Hahnwald. Das auffallend dekorativ gestaltete moderne Landhaus gehört zu den größten Häusern, die Breuhaus je für sich selbst geplant hat.
Dass Breuhaus in den 1950er Jahren durchaus wieder an seine Erfolge der Vorkriegszeit anknüpfen konnte, verraten auch die drei Bildbände, die der Architekt 1953, 1957 und 1961, den letzten also bereits nach seinem Tode, herausgab. Neben seinen eigenen Häusern in Rhöndorf und Hahnwald zeigen die Bände einen breiten Querschnitt aus F.A.B.s Schaffen in der Zeit des Wirtschaftswunders: Landhäuser und Villen im In- und Ausland nehmen nach wie vor den größten Raum ein. Mehr denn je zuvor werden aber auch Verwaltungsgebäude und Geschäftshäuser sowie die Ausstattungen von Geschäften, Restaurants und Hotels vorgestellt. Der Kreis der Bauherren jener Schaffensphase, soweit bislang nachvollziehbar, ist vor allem unter den Spitzen des Kölner Wirtschafts- und Gesellschaftsleben zu suchen.

F.A.B. und der amerikanische Traum

Abschied von seinem Adoptivsohn, der in die USA übersiedelte, 1956

Obwohl Breuhaus zeitlebens auch im europäischen Ausland, im Nahen Osten und in Mittel- und Südamerika plante und baute und so zeitweise auch international Aufmerksamkeit errang, blieb er doch zeitlebens in Deutschland ansässig. Gleichwohl war F.A.B. fasziniert von den Vereinigten Staaten, die er unter anderem anläßlich der Jungfernfahrt der "Bremen" bereiste. Breuhaus' Adoptivsohn, der 1956 in die USA auswanderte und dort eine bemerkenswerte Karriere als Investmentbänker machte, nachdem er im Nachkriegsdeutschland zunächst für die US-Army und später für einen amerikanischen Automobilkonzern tätig war, begriff erst bei seinem Abschied in Rotterdam, wie tief dieser Wunsch seines Vaters ging: "Tränen rollten über seine Wangen und er sagte zu mir: Ich weiß, wie schwer dies für dich sein wird - ich beneide dich, du kannst in das Land gehen, wo ich immer leben wollte." Dass F.A.B. diesen Schritt, selbst während der NS-Zeit, als Botilla die Emigration jüdischer Freunde nach Kalifornien arrangierte, nicht gewagt habe, sei wohl vor allem auf Breuhaus' mangelnde Sprachbegabung zurückzuführen.
Dabei habe selbst der große amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright (1869-1959) noch in den frühen Fünfziger Jahren versucht, F.A.B. zu einem Treffen in San Francisco einzuladen: Er habe sich immer gefragt, warum Breuhaus' Bauherren höhere Honorare zu akzeptieren bereit waren, als die seinen. Und Breuhaus hatte schon in den Zwanziger Jahren mit Stolz schreiben können: "Ich liquidiere nicht nach Gebührenordnung"...